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Erlebe ich Gewalt?
Bin ich betroffen von emotionalem Missbrauch?
Wer denkt, die Frage sofort beantworten zu können, irrt im Allgemeinen. Viele lassen die "emotionale Gewalt" in ihrem Denken oft außen vor. Diese kommt aber häufiger zum Einsatz als gedacht. Bleibt sie im normalen Rahmen, ist sie ein Teil unseres Lebens. Keiner kann sich davon frei sprechen und jeder setzt sie hin und wieder ein. Ist das schon emotionale Gewalt?
Im Internet kursieren viele Seiten mit Informationen, Listen und Fragebögen zu dieser Frage. Ist mein Partner eine Narzisst, ist ofr die andere Frage. In diesem Beitrag möchte ich deshalb einmal ganz anders an dieses Thema herangehen, da hier die Wahrnehmung und die Akzeptanz des Opfers eine große Rolle spielt.
Die Entlarvung als emotionaler Missbrauch
Die emotionale Gewalt kommt meist auf leisen Sohlen daher. Sie wird zunächst kaum beachtet und nicht als Gewaltform wahrgenommen. Gehört das negative Verhalten eines anderen Menschen jedoch irgendwann zum persönlichen Alltag, wird der Unterschied schnell deutlich. Trotzdem ist die Frage, ob es sich dabei um emotionalen Missbrauch handelt, schwer zu beantworten. Der Unterschied liegt im Verhalten des Partners und in den Gründen, aus welchem Grund er den Missbrauch ausübt. In einer toxischen Beziehung entstehen so ganz verschiedene Verhaltensmuster, die ganz schnell in einer Gewaltspirale enden.
Setzt der übergriffige Partner dieses negatives Verhaltensmuster immer wieder ganz gezielt ein, um sich Vorteile zu sichern und verschleiert ganz bewusst seine wahren Beweggründe, wird es sehr schmerzhaft für den anderen Partner.
Der Mensch, der dieses Verhalten aushalten muss, fühlt sich bald schlecht und klein. Hinzu kommt, dass der unterschwellig aggressive Partner immer wieder signalisiert, der andere sei selbst schuld an seinem Unglück und hätte das unschöne Verhalten verdient. So werden die Weichen für den weiteren Missbrauch gestellt und die Beziehung gleitet ab. Die Partnerin stellt sich immer mehr infrage und wird von ihrem Partner nicht aufgefangen, sondern weiter unter Druck gebracht.
Taucht dieses Gefühl in einer Partnerschaft verstärkt auf, sollte "frau" sich unbedingt fragen, wo die Gründe dafür liegen.
Stellt die Betroffene fest, dass dieses Verhalten mehr oder weniger ihren Alltag prägt, wird es Zeit, etwas intensiver darüber nachzudenken. Wer sich unbewusst immer wieder fragt, ob das eigene Verhalten in Ordnung ist und wie "frau" sich verhalten muss, damit das Leben mit dem Partner gelingt, ist bereits in einer gewaltgeprägten Beziehung angekommen.
Gleichberechtigung? Nein Danke!
In einer Partnerschaft streben im Allgemeinen zwei Personen danach, die gegenseitigen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Wenn ein Partner dem anderen aber immer wieder signalisiert, dass er nicht "richtig" ist, in dem, was er ist, und mit dem, was er möchte, verliert die Beziehung an Gleichgewicht. Wenn der eine Partner sich immer mehr danach ausrichten muss, die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen und sich selbst dabei vergisst, verliert er vielleicht nicht seinen Partner, aber ganz bestimmt sich selbst.
Das hat natürlich Folgen. Wer seine Identität verliert, richtet sich unbewusst noch mehr nach seinem Partner, um den Halt nicht zu verlieren. Er wird damit zu einem Objekt, welches sich beliebig kontrollieren und steuern lässt.
Warum geht der Partner so perfide vor?
In der Beziehung mit einem narzisstischen Partner wünscht der sich die völlige Gleichschaltung "seiner" mit seiner Partnerin. Aber nicht er muss sich anpassen, sondern sie. Die Anerkennung ihrer Individualität als Ausdruck ihrer Persönlichkeit ist für ihn eher hinderlich und wird unterdrückt. Mit diesem destruktiven Verhalten erhält er dann tatsächlich das, was er anstrebt. Beachtung und Macht. Die Partnerin orientiert sich unmerklich immer mehr an ihm und verliert dadurch mehr und mehr ihre eigene Identität.
So behält der übergriffige Part die Kontrolle über die Beziehung und stellt sicher, dass sein Opfer sich von ihm abhängig fühlt und ihm deshalb weiterhin Bestätigung, Zuneigung und Bewunderung gibt.
In seinem Vorgehen hat er scheinbar nicht den geringsten Anflug von einem schlechten Gewissen. Seine Bestrebung, jegliche Kritik an seiner eigenen Person auszuschalten und seine Partnerin in seinem Sinne zu beeinflussen, steht für ihn plakativ und sichtbar im Vordergrund.
Warum er dieses Ziel immer wieder anstrebt, ist noch ein anderes Thema. Hauptsächlich geht es ihm darum, seinen eigenen persönlichen, inneren Frieden zu sichern. Die Objekte seiner Begierde werden austauschbar und so fühlt sich der Mensch neben ihm dann auch bald.
Die Folgen der seelischen Misshandlungen
Unter diesem Verhalten verbiegt sich die Frau und benimmt sich immer mehr fremdbestimmt, obwohl es ihr lange Zeit gar nicht bewusst werden mag. Bald wird es zu ihrem "Alltag", sich dem schwierigen, manchmal schweigsamen und versteckt aggressiven Menschen an ihrer Seite unterzuordnen. Die Beziehung zu hinterfragen oder den Partner infrage zu stellen, wird immer unwichtiger, weil dieser ihr immer wieder signalisiert, sie sei an "seinem" Verhalten schuld, da sie dies und das und vieles andere falsch gemacht hat.
Du bist schuld, ich bin ok
Deshalb fühlt sich der unterschwellig aggressive Partner völlig im Recht, andere mit "emotionalen" Mitteln zu strafen, wenn sich diese – seiner Ansicht nach – in minderwertige und fehlerhafte Wesen verwandeln, die bestraft werden "müssen". Und genau das lässt er die Partnerin auch immer wieder spüren. Egal, um was es geht: Reagiert die Partnerin nicht wie vorgesehen oder bekommt er nicht, was er von ihr erwartet, hat das Opfer selbst schuld an seinem Verhalten und soll seine Bestrafung klaglos hinnehmen.
Die Verantwortlichkeit seines Verhaltens schiebt er unbemerkt und manipulativ seinem Opfer in die Schuhe. Die Eigenarten und Einzigartigkeit seiner Partnerin anzuerkennen und zu respektieren, gelingt ihm nicht.
Fazit
Du versuchst, die wirklichen Gründe für alles zu finden, aber es gibt keine. Du fühlst dich der Situation nicht gewachsen und dieses Gefühl wird zur Normalität.
In dieser Situation wird das Opfer vom Aggressor gerne zum Arzt geschickt, der die Partnerin wieder "richten" soll. Dieser stellt dann fest, dass mit ihr alles in Ordnung ist und sie sich schlicht in einer destruktiven Beziehung befindet.
Es wird Zeit, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.
Es fühlt sich an, als wäre er dein Feind?
Er ist dein Feind!

