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Um zu verdeutlichen, wie diese Gewaltform eingesetzt wird, stelle ich hier ein paar Beispiele vor.
Der Aggressor versucht, in allem besser und erfolgreicher zu sein als seine Partnerin. Wo er nicht besser sein kann, wertet er die Partnerin ab. Ihre Erfolge werden ignoriert. Je mehr Hilfe sie benötigt, desto besser fühlt sich der Partner.
Sollte die Partnerin etwas tun, was ihm nicht gefällt, wird er an völlig anderer Stelle einen Streit anzetteln oder sie mit Liebesentzug bestrafen. Nur selten bringt er direkt zur Sprache, worum es ihm wirklich geht.
Sie möchte einen Film sehen. Er möchte die Zeit anders verbringen. In seinen Augen ist das eine Zurückweisung. Der Film scheint ihr wichtiger zu sein als seine Person, die sich gerade langweilt. Er entscheidet sich dafür, seine Partnerin zu ignorieren, nachdem diese den Film zu Ende gesehen hat, und das kann Tage dauern. Er spricht nicht über die Gründe, aber die Partnerin erkennt den Zusammenhang. Im Gespräch wird er dies völlig abstreiten. Das nächste Mal verzichtet sie garantiert darauf, einen Film bis zum Ende anzuschauen, falls er in der Nähe ist und etwas anderes vorhat.
Durch Kritik an dir lenkt er geschickt von seinen eigenen Schwächen ab. Worte, mit Bedacht gewählt, lassen bei der Frau das Gefühl entstehen, nicht gut genug zu sein. Sollte diese ihn daraufhin mit Kritik und Forderungen konfrontieren, wird sich das Gespräch bald nur noch um ihre Schwachpunkte und ihre fehlende Motivation innerhalb der Beziehung drehen.
Probleme, die ihm die Partnerin anvertraut hat, werden gegen sie verwendet, falls sie sich erdreistet, etwas zu tun, was ihm nicht gefällt. Hat sie ein Problem mit ihrem Alter, wird er sie deshalb zu gegebener Zeit immer wieder darauf hinweisen.
Zur Rechtfertigung seines Handelns werden teilweise komplizierte und auch fiktive Erklärungen abgegeben. Wird er dabei bei einer Lüge ertappt, reagiert er mit Wut und Drohungen und erfindet umgehend neue Lügengespinste. Seine Meinung dreht sich nach dem Wind und wird so dargestellt, wie es gerade am besten passt. Was heute seine unumstößliche Wahrheit ist, kann morgen schon wieder etwas ganz anderes sein. Schuld hat immer die Partnerin, die sich verhört hat, sich nichts richtig merken kann und für alles zu dumm ist.
Logisch kann die Partnerin nichts vorbringen, da alles so gewesen sein kann. Damit verwirrt er das Opfer, dem es immer schwerer fällt zu beurteilen, ob das, was sie denkt, auch das ist, was sie gerade gehört hat.
In jeder seiner vermeintlich guten Taten steckt meist auch ein versteckter Angriff. Dieser wird zwar wahrgenommen, findet aber im logischen Denken keinen Platz, da die gute Tat im Vordergrund steht. Gesichtsausdruck und Handeln spiegeln sich nicht in seinen Worten wider.
Er beleidigt und kritisiert seine Partnerin und erzählt ihr aber zur gleichen Zeit, dass er sie unendlich liebt. Er verbreitet üble Laune, erzählt aber trotzdem, dass es ihm gut geht. Die Partnerin fragt sich unwillkürlich die ganze Zeit, welche Wahrnehmung die richtige ist. Er will zwar heiraten, sendet aber irgendwie unklare Signale. Liebe und Verletzung bestehen nebeneinander. Er genießt es, die Unsicherheit des Opfers zu sehen und zu nähren.
Für die Partnerin scheint es immer Regeln zu geben, die für ihn keine Bedeutung haben. Das Opfer fühlt sich nicht gleichberechtigt. Seine Entscheidungen werden der Frau zwar irgendwann mitgeteilt, aber nicht mit ihr besprochen. Absprachen sind dazu da, von ihr eingehalten zu werden, aber nicht von ihm.
Er braucht seine Partnerin, um sich im Licht seiner eigenen positiven Bestätigung und Wertschätzung zu sehen. Ihr privates Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte und Kinder werden abgewertet und finden selten seine Anerkennung. Damit lehnt er das Umfeld seiner Partnerin als Teil der Beziehung fast vollständig ab und deklariert sie als minderwertig, da sie sich mit Personen einlässt, die seiner Meinung nach nichts wert sind.
Aussagen wie „Der Rock ist schon toll, aber deine Frisur sitzt heute nicht“ sind dagegen schon fast harmlos. Oder er erzählt ihr, dass die Kinder über sie geredet haben. Natürlich weiß er nicht mehr, wer was genau gesagt hat. Ein schlechtes Gefühl gegenüber den Kindern bleibt zurück.
Wenn sie etwas gegen sein Verhalten vorbringt (Kritik), ist sie im Zweifel zu empfindlich, zu penetrant, zu kindisch und psychisch instabil.
Die Worte der Partnerin werden angezweifelt oder als nebensächlich deklariert. Ein sinnvolles Gespräch, in dem es um Lösungen und konstruktives Handeln geht, gibt es nicht. Er hört zwar zu, aber die Partnerin hat nicht das Gefühl, dass er das Gesagte auch tatsächlich aufnimmt. Ständig redet er am Thema vorbei, lenkt ab oder steuert das Thema in unverfängliche Bereiche, sobald die Partnerin ein unbequemes Problem diskutieren möchte.
Er verweigert die Rede oder antwortet gar nicht erst auf Fragen. Bekommt die Partnerin doch eine Antwort, dann nicht auf die gestellte Frage.
Da der Aggressor weiß, dass er mit seinem Verhalten auf Widerstand stößt, setzt er die ausgeübte „Partnerschaftsgewalt“ zuerst nur ganz unauffällig ein. Mit der Zeit findet eine Steigerung statt, da für ihn die scheinbaren Fehler in der Persönlichkeit des Opfers in den Vordergrund treten.
Am Anfang entsteht im Opfer das Gefühl: Er sieht in mir einen Feind und ich muss ihm beweisen, dass es nicht so ist. Am Ende der Beziehung steht meist etwas anderes: Nicht ich bin sein Feind. Er ist mein Feind. Und diese Wahrnehmung ist richtig!
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